Mein Hausabwart, der immer ganz genau weiss, welches Testfahrzeug gerade für ein paar Tage in der Sammeltiefgarage steht, und erstaunlich gut Bescheid über Modelle und Motorisierungen weiss, hat mich abgefangen, als ich kürzlich mit dem Jubiläumssondermodell des Porsche 911 Turbo nach Hause gekommen bin. «Das Auto ist super, aber ohne die Aufkleber», fand er.
Hier braucht es eine kurze Erläuterung: 2024 hat Porsche ein auf 1974 Exemplare limitiertes Sondermodell des 911 Turbo S lanciert. Dieses basiert auf der jetzt auslaufenden Baureihe von 2019 und dürfte das letzte sein, das auf der simplen Formel «Motor + Turbolader = viel Leistung» basiert, wobei die Schönheit dieser Konstruktion darin besteht, dass letztlich heisse Luft für zusätzlichen Schub sorgt.
In Zukunft wird im 911 Turbo wohl ein Motorenkonzept verwendet werden, das auf dem aktuellen Porsche 911 GTS basiert und in einer raffinierten, aber nicht ganz so schlichten Art funktioniert. Hier werden ein elektrischer Turbo sowie ein Elektromotor in das Getriebe integriert, um viel Leistung bei sinkendem Verbrauch nach den Erfordernissen des Zeitgeists zu ermöglichen.
Wehmütiger Blick zurück
So gesehen, ist das Sondermodell des 911 Turbo auch ein leicht wehmütiger Blick zurück. Damit man das auch auf Anhieb sieht, gibt es das Auto mit einer auffälligen Beklebung: Über den hinteren, wohlmodellierten Radkästen schlauft sich der ikonische Turbo-Schriftzug. Die Zahl 74, prominent auf den beiden Türen angebracht, erinnert dazu an das Geburtsjahr dieses Motorenkonzepts, das zur Zeit seiner Lancierung «die Grenzen des Machbaren» verschoben hat.
Der Vollständigkeit halber muss erwähnt sein, dass die Aufkleber, die meinem gut informierten Hausabwart missfallen, eine völlig freiwillige Option darstellen. Selbstverständlich kann jeder Kunde, wie immer bei Porsche, sich seinen Traumwagen bis in sehr viele Details nach eigenen Vorstellungen und Wünschen gestalten.
Die ersten Turbos waren – besonders für unerfahrene Lenker – eine Herausforderung.
Was man auf jeden Fall bekommt, abgesehen von hübschen Details wie einem Jubiläums-Badge auf dem Heckdeckelgitter oder einem Türprojektor, der das Bild eines Turboladers auf den Boden wirft, ist ein Auto, das in seiner letzten Ausbaustufe wie kein anderes ein Höchstmass an Leistung mit einem erstaunlichen Grad von alltäglicher Eleganz und einem vernünftigen Nutzwert verbindet.
Der 911 Turbo S ist kein hochgezüchteter, zickiger Supersportwagen. Damit zum Einkaufen zu fahren oder ein paar hundert Kilometer Autobahnstrecke am Stück zurückzulegen, ist für ein Fahrzeug dieser Leistungskategorie äusserst angenehm und überraschend komfortabel.
Kompromisslose Leistung ohne Risiko
Der britische Fernsehmoderator Jeremy Clarkson, der durch die Sendungen «The Grand Tour» und «Top Gear» weltberühmt wurde, hat einmal von «cars trying to kill you» gesprochen und damit sportliche Autos gemeint, die so gefährlich zu fahren seien, dass sie einem buchstäblich nach dem Leben trachteten. Der Porsche 911 Turbo aber ist kein solcher Wagen, was man als Fahrer in einem gewissen Alter und in einer gewissen Verantwortung für die Familie und andere Aufgaben durchaus zu schätzen weiss.
Das war allerdings nicht immer so; die ersten Turbos waren, etwa wegen der fehlenden elektronischen Traktionskontrolle und ohne ABS sowie mit dem sprichwörtlichen Turboloch – besonders für unerfahrene Lenker – eine Herausforderung. Dass kompromisslose Leistung heute auch ohne hohes Risiko zu haben ist, halte ich für einen Fortschritt.
Bei Gelegenheit muss ich darüber mal mit meinem Hausabwart diskutieren.
Sondermodell Porsche 911 Turbo 50 Jahre
Motor: 6 Zylinder Turbo-Boxermotor, Allradantrieb, 8-Gang PDK; Hubraum: 3745 ccm; 478 kW/650 PS; max. Drehmoment: 800 Nm; Beschleunigung 0–100 km/h: 2,7 Sek.; Höchstgeschwindigkeit: 330 km/h; Verbrauch: 12,3–12,5l/100 km (WLTP); Preis: ab Fr. 315 300.–

