Ich erinnere mich noch genau: Als Dmitrij Schostakowitsch am 9. August 1975 mit 69 Jahren starb, waren die Nachrufe in den westlichen Medien schnöd. Als braver Gefolgsmann sowjetischer Kulturpolitik galt er, als Opportunist ohne Charakter. Nicht einmal über die Zahl seiner Sinfonien konnte man sich einigen – derartige Produktivität galt sowieso als verdächtig.Wenige Jahre später war alles ganz anders. Der Nachruhm des Komponisten, der nicht wie seine Kollegen Prokofiew und Strawinsky in den Westen gezogen war, begann zu wachsen. An dieser Entwicklung beteiligt waren die – zunächst heftig umstrittenen – Aufzeichnungen Solomon Volkows («Zeugenaussage – die Memoiren des Dmitrij S ...