In Moskau herrsche der Antichrist, warnten uns die Landpfarrer im Kalten Krieg. Ronald Reagan nannte die Sowjetunion das «Reich des Bösen». Als das Imperium zerfiel, entpuppte es sich als verrottetes Entwicklungsland, korrupt, kaputt, chaotisch und kriminell. Und eine Täuschung obendrein: keine Institution, kaum ein Gebäude, dessen Fassade verriet, was dahinter geschah. Aber böse? Nein, längst nicht mehr.
Als in den Trümmern erste Zeichen einer Zivilgesellschaft sichtbar wurden, sah die Welt schon nicht mehr hin. Es sei denn, es gibt Horrorbilder vom Tschetschenien-Krieg oder Terror wie zuletzt im nordossetischen Beslan: blutig zerfetzte Kinder, die über den Haufen geschossen wurden ...