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Dienstweg ins Bett

Dienstweg ins Bett

Am Arbeitsplatz kann man sich langsam und gründlich kennenlernen. Darum entstehen dort ein Drittel aller Liebesbeziehungen. Oft mit fatalen Folgen. Es gibt sieben Regeln, die man beachten sollte.

Ein Drittel aller Schweizer hatte schon einmal eine Affäre am Arbeitsplatz, 7 Prozent mit einem Vorgesetzten. Das führt oft zu einer dauerhaften Partnerschaft. Denn wenn man älter als dreissig Jahre ist, entstehen etwa ein Drittel aller Liebesbeziehungen am Arbeitsplatz. Das ist naheliegend, da man dort viel Zeit verbringt und die Möglichkeit hat, sich langsam und gründlich kennenzulernen. Man spürt, ob der andere sympathisch ist, ob man miteinander kooperiert. Insofern ist diese Art des Kennenlernens viel erholsamer als die Suche im Internet, wo man häufig sehr schnell Gefühle entwickelt und sich dann erst richtig kennenlernt.

Credit: United Archives GmbH / Alamy Stock Photo
Kein Küssen, kein Händchenhalten: Renée Zellweger und Hugh Grant in «Bridget Jones».
Credit: United Archives GmbH / Alamy Stock Photo

Zudem ergeben sich fast zwangsläufig durch die gemeinsame Tätigkeit spannende Gespräche, wenn wir einen interessanten Beruf ausüben. Falls also der Beruf als Herzensangelegenheit empfunden wird, ist die Liebe am Arbeitsplatz oftmals naheliegend. Deshalb verliebt sich ein Lehrer oft in eine Lehrerin, eine Ärztin in einen Arzt.

 

«Never fuck the company»

Dafür gibt es berühmte Beispiele: Die Liebesbeziehung zwischen dem früheren US-Präsidenten Barack Obama und seiner Frau Michelle entstand in einer Anwaltskanzlei, wo sie seine Mentorin war. Zwar hatte sie am Anfang eher die Absicht, ihn mit einer Freundin zu verkuppeln. Dennoch merkten beide, dass sie sich gut verstanden, so dass der Funke der Liebe entstand. Das spürte Obama und bat sie immer wieder um ein Date. Sie fand seine Direktheit sexy, gab schliesslich nach, und bald waren sie ein Liebespaar, heirateten und bekamen Kinder. Später schrieb Michelle, sie hätte fast ihren Traummann verpasst, weil sie lange der Ansicht war, man solle keine erotische Beziehung beginnen, wenn man gemeinsam arbeitet.

Doch Liebe kennt keine Grenzen und lässt sich auch nicht durch unsere Vernunft aufhalten. Das gilt vor allem, wenn man sehr leidenschaftlich miteinander arbeitet. Deshalb sind Filmdreharbeiten so wunderbar geeignet für den Beginn einer Romanze. Ein Beispiel ist die Ehe zwischen Liz Taylor und Richard Burton, die sich 1963 bei den Dreharbeiten für den Monumentalfilm «Cleopatra» kennenlernten. Zu dieser Zeit waren sie noch mit anderen Partnern verheiratet, es begann eine schwierige Liebesbeziehung, und es folgten zwei Ehen, die von heftigen Zerwürfnissen und Versöhnungen geprägt waren. Auch in der Kunst sind Paare wie Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp bekannt, die durch ihre gemeinsame Liebe zur Kunst eine enge Bindung eingingen.

Die Liebe zwischen Barack und Michelle Obama entstand in einer Kanzlei, wo sie seine Mentorin war.

Diese Beispiele zeigen, dass Partnerschaften zwischen Kollegen gelingen können, wenn man eine «gemeinsame Welt» teilt. Aber sie zeigen auch, dass es problematisch sein kann, wenn Liebe und Beruf verschwimmen. Schliesslich ist es eine Errungenschaft des modernen Lebens, dass wir die Arbeit und unser Privatleben voneinander trennen können. Das macht uns emotional unabhängiger und schafft jenen Abstand, der für eine Liebesbeziehung wichtig ist. Denn eine leidenschaftliche Liebe ist auch auf die Selbständigkeit beider Partner angewiesen, wenn man die Sehnsucht nach einander erhalten will.

Deshalb enthält der Spruch «Never fuck the company» eine tiefe Wahrheit. Allerdings sollten wir nicht nur beim Sex, sondern auch bei der Liebe am Arbeitsplatz vorsichtig sein. Das zeigt ein weiterer Spruch, der vor allem im Personalwesen bekannt ist: «Don’t get your honey where you get your money.» Sinngemäss: Beginnen Sie eine Liebesbeziehung nicht dort, wo Sie das Geld verdienen.

Diese Überzeugung wurde früher von vielen Firmen geteilt und gilt noch heute in zahlreichen amerikanischen Unternehmen. Der Chef von McDonald’s musste zurücktreten, weil er eine Liebesbeziehung mit einer Angestellten begonnen hatte. Er habe damit gegen die Richtlinien des Unternehmens verstossen, die Romanzen zwischen Managern und Angestellten untersage. Aber auch in Europa gibt es etliche Firmen, in denen klare Verhaltensregeln bestehen. Sie enthalten mitunter die Pflicht, dass Liebesverhältnisse gemeldet werden müssen. Das gilt vor allem dann, wenn eine Partnerschaft mit einem Vorgesetzten beginnt.

 

Lebensmodell des Mittelalters

Doch es gibt auch Firmen, in denen Liebesverhältnisse am Arbeitsplatz gefördert werden. Hier geht man davon aus, dass das Arbeitsklima dadurch verbessert wird. Vor allem in innovativen Unternehmen wie Apple verschwimmen Freizeit und Arbeit. Man spielt zusammen Tischtennis, es gibt Ruhezonen, und man kommt den Kollegen auch privat nahe. Liebesverhältnisse mit Kollegen sind dann normal. Anders ist dies beispielsweise bei deutschen Banken, wo üblicherweise eher die Trennung zwischen Arbeit und dem Privatleben gewahrt bleibt. Das ist mitunter für den Arbeitnehmer von Vorteil. Denn die Trennung der Lebensbereiche ist für uns vor allem dann wichtig, wenn es Konflikte gibt. Verschwimmen Privatleben und Arbeit zu sehr, ähnelt unser Lebensmodell dem des Mittelalters: Wir sind dann sehr abhängig voneinander, jeder weiss viel vom anderen, und es hat verhängnisvolle Auswirkungen auf unser Privatleben, wenn es heftige Probleme in der Firma gibt.

Die soziale Ebene ist gestört, wenn jeder in der Abteilung weiss: Sie ist die Liebste des Chefs.

Doch was soll man beachten, wenn man sich am Arbeitsplatz verliebt hat? Wichtig sind vor allem sieben Punkte:

1 _ Man muss zunächst beobachten, ob eine Beziehung wirklich tragfähig ist. Ist es etwas Ernstes oder nicht? Erst wenn eine Partnerschaft drei Monate andauert, sollte man damit an die Öffentlichkeit gehen und die Kollegen einweihen.

2 _ Doch generell gilt: nichts Persönliches am Arbeitsplatz. Kein Küssen, kein Händchenhalten. Es gilt der Grundsatz: Arbeit ist Arbeit, Privates ist Privates.

3 _ Am Beginn einer Kollegenbeziehung muss ich mir immer überlegen: Was passiert bei einer Trennung? Kann ich dann noch weiter mit dem anderen zusammenarbeiten? Dabei gilt grundsätzlich: Es muss derjenige gehen, der weniger Macht hat. Wenn ich also in einen Vorgesetzten verliebt bin, müsste ich mir notfalls eine neue Arbeitsstelle suchen. Deshalb muss ich mich schon in der Verliebtheitsphase fragen: Ist mir dieser Mensch so viel wert, dass ich meinen Arbeitsplatz dafür opfern würde?

4 _ Absolut tabu sind Liebesverhältnisse, wenn ich Geheimnisträger bin. Mitarbeiter im Controlling, in wichtigen Entscheidungspositionen und Forschungsabteilungen dürfen häufig keine Liebesbeziehungen im Betrieb eingehen.

5 _ Schwierig sind Liebesbeziehungen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen innerhalb der gleichen Abteilung. Die soziale Ebene ist gestört, wenn jeder in der Abteilung weiss: Sie ist die Liebste des Chefs. Niemand wird ihr die neusten Gerüchte erzählen oder Kritik mitteilen. Sie wird sozial ausgegrenzt. Und der Chef kann ihr nicht mehr glaubhaft Anweisungen erteilen, nachdem er zwei Stunden vorher mit ihr im Bett gelegen hat. Wenn sie dann in den nächsten Monaten befördert wird, macht häufig der Spruch die Runde, sie habe sich hochgeschlafen.

6 _ Schliesslich ist noch zu beachten, dass es auch in einer Kollegenbeziehung genügend Privatleben geben muss. Die Partnerschaft sollte keine Fortsetzung der Arbeitstätigkeit sein. Irgendwann muss man auch ein Privatleben haben – auch wenn man mit einem Kollegen zusammenlebt.

7 _ Problematisch sind Partnerschaften vor allem dann, wenn leicht eine Konkurrenzsituation entstehen kann. Wie gehe ich als Frau damit um, wenn er befördert wird und ich nicht? Wie kann ich es als Mann verarbeiten, wenn sie etwa als Journalistin in einer Redaktion sehr viel Anerkennung bekommt und öffentlich gelobt wird? Werde ich dann neidisch, oder bleibe ich gelassen?

 

Wolfgang Krüger ist Psychotherapeut in Berlin. 2023 ist von ihm das Buch «Das Glück der Liebe finden – Partnersuche mit Herz und Verstand» erschienen.

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