Regensdorf
Ein Motorradhelm mit Technik, wie man sie sonst nur aus dem Cockpit von Kampfpiloten kennt, steht kurz vor der Serienreife. Die Aegis Rider AG, ein Schweizer Start-up mit Sitz in Regensdorf ZH, das reale und digitale Welten in einem intelligenten Töffhelm verschmelzen lässt, gewährte der Weltwoche einen Einblick in eine fast serienreife Version mit integriertem Head-up-Display (HUD). Durch Augmented Reality (AR) kann die Brücke zwischen realer Verkehrsumgebung und digitalen Echtzeitdaten geschlagen werden. Aegis Rider, hervorgegangen aus einem Forschungsprojekt der ETH Zürich, kombiniert modernste Computervision, 3-D-Visualisierung und KI-gestützte Objekterkennung, um Motorradfahren sicherer und intuitiver zu machen. Der smarte Motorradhelm – «Developed and Made in Switzerland» – bietet alles, was man sich wünscht: Navigation, Warnmeldungen, Fahrdaten sowie Musik- und Telefonintegration.
Wegweisende Technologie
Was an der ETH Zürich begann, hat sich zu einer wegweisenden Technologie entwickelt, die dem Motorradfahren ganz neue Impulse verleihen und es grundlegend sicherer machen dürfte. Durch Augmented Reality bleibt das Verkehrsgeschehen vollständig im Blick, während relevante Informationen wie Geschwindigkeit, aktuelles Speed-Limit und Navigationsanweisungen über Pfeile, Markierungen oder virtuelle Objekte präzise und kontextbezogen in Echtzeit ins Sichtfeld eingeblendet werden. Motorradfahrer müssen den Blick künftig weder vom Verkehrsgeschehen noch von der Ideallinie abwenden.
Ähnliche Entwicklungen gibt es zwar schon, der Shoei GT-Air 3 Smart und die ConnectedRide Smartglasses von BMW bieten ebenfalls HUD-Lösungen. Diese Konzepte wirken im Vergleich zur Schweizer Entwicklung aber geradezu simpel: Die Projektion erfolgt monokular, also auf nur ein Auge, und bleibt ein flaches Informationsfenster ohne räumliche Tiefe.
Der Helm von Aegis Rider geht technologisch deutlich weiter. Drei integrierte Kameras erfassen die Umgebung und registrieren jede Kopfbewegung. Diese Daten werden mit den Sensorsignalen des am Lenker befestigten Smartphones zusammengeführt und in Echtzeit von Deep-Learning-Algorithmen verarbeitet. In Kombination mit einer binokularen Projektion entsteht vor den Augen des Piloten eine echte Augmented-Reality-Ebene – vergleichbar mit Systemen aus der militärischen Luftfahrt. Beide Augen erhalten ein präzise koordiniertes Bild, wodurch digitale Elemente stabil im Raum verankert werden.
Auf einer Probefahrt wird klar, dass Aegis Rider in Sachen smarter Motorradhelm Benchmarks setzt: Geschwindigkeit und Tempolimits schweben semitransparent und stabil im zentralen Sichtfeld scheinbar vor dem Motorrad – unabhängig von den Kopfbewegungen des Piloten. Der Blick des Fahrers bleibt auf das Verkehrsgeschehen gerichtet. Der Clou: Navigationshinweise erscheinen exakt dort, wo abgebogen werden muss. Man fährt auf einen virtuellen Abbiegepfeil zu, der fest über der Kreuzung im Raum steht und mit der Annäherung kontinuierlich wächst.
«Made in Switzerland»
Genau hier beginnt die eigentliche Zukunft: Während monokulare Systeme digitale Inhalte lediglich ergänzend einblenden, erzeugt der Smarthelm «Made in Switzerland» virtuelle Wahrnehmung als integralen Bestandteil der realen Umgebung.
Trotz der hochkomplexen Technik unterscheidet sich der Helm optisch kaum von einem konventionellen Modell. Und wer auf die erweiterte Realität verzichten möchte, kann die entsprechende Brille einfach entnehmen.
Welches Potenzial in dieser Technologie steckt, zeigt auch ein Blick in den Automobilbereich: Gemeinsam mit Mercedes-AMG entwickelt Aegis Rider derzeit einen Helm für den Renneinsatz. Dort schwebt eine virtuelle Ideallinie tatsächlich über dem Track, während ideale Bremspunkte – geschwindigkeitsabhängig – exakt an den Stellen erscheinen, an denen verzögert werden muss. Fazit: Aegis Rider ist dabei, die Art, wie wir Motorrad fahren, von Grund auf zu verändern.
Mehr Informationen: www.aegisrider.com

