Anthologien mag ich nicht. Ich mag die Teile ganz und im Zusammenhang. Aber es gibt Ausnahmen. André Bretons berühmte «Anthologie des schwarzen Humors» ist eine. Zum einen hatten die Surrealisten ohnehin ein ironisch gebrochenes Verhältnis zu dem, was der Idealismus «die Autonomie des Kunstwerks» nannte; sie liebten die Collage, und Bretons schwarzes Brevier mit Texten von Swift und Sade bis Duchamp ist eine solche, ein aus Fundstücken zusammengesetztes neues Ganzes. Anthologien sind gewissermassen auch diese Lebensbilanzen, Längsschnitte durch ein Gesamtwerk. Wir nähern uns ihnen unbehaglich und zögernd und müssen manchmal am Ende eingestehen, dass ein Lebenswerk etwas anderes i ...