Vor lauter Endzeit im Irak, 9/11-Gedenkfeiern und Bush-Besessenheit scheint die Welt in einträchtiger Gleichgültigkeit einen Konflikt zu vergessen, der gelegentlich unter der Rubrik «Kurz notiert» als «schleichende Tragödie am Rande Europas» auftaucht. Was ist los in Tschetschenien? Ist da noch Krieg? Wer heute die Kaukasusrepublik besucht, wird Zeuge eines bunten Personenkults. Überlebensgross prangt ein junger Mann mit rotem Bart von den Plakatwänden: Ramsan Kadyrow, ein 29-jähriges Raubein, das einst als Rebell gegen die Russen kämpfte, heute aber als Statthalter Moskaus waltet.
Kadyrow, der bald zum Präsidenten gekürt wird, eilt der Ruf des Schwerverbrechers voraus. Mensche ...