Als Thomas Mann am 21. Februar 1938 in New York von Bord des britischen Turbinenschiffs «Queen Mary» stieg, soll er – einem Zeugnis seines Bruders Heinrich zufolge – gesagt haben: «Wo ich bin, ist die deutsche Kultur.» Ein steiler Satz, der leicht in den Ruch der Hybris, der Selbstüberschätzung eines Ich-zentrierten Schriftstellers, gerät. Doch Mann blieb mit dieser Einschätzung nicht allein. Bundespräsident Horst Köhler fällte im August 2005 an einer Feier zum 50. Todestag des Autors in dessen Geburtsstadt Lübeck exakt dasselbe Urteil: Mann habe, so Köhler, die «deutsche Kultur» auf «einzigartige Weise verkörpert».
Diese offizielle Wertschätzung könnte den Eindruck ...