Je ratloser die Zeitgenossen, desto mehr versichern sie sich bei alten Vorbildern. Es ist die Zeit der Remakes, der Cover-Versionen, der Hommagen. Die Kehrseite der allwaltenden Geschichtslosigkeit ist die Nostalgie. Im Showbiz wird dann etwa nicht nur die Musik aus Zeiten beschworen, als soziales oder politisches Engagement noch ein Antrieb war für die Kunst (damals wurde das ja nach Möglichkeit ausgeblendet, weil es grossem Erfolg abträglich war), sondern nun eben auch als eine Art inszenierte Betroffenheit.
Billie Holidays Anti-Lynch-Ballade «Stange Fruit» war mir immer unangenehm, nicht weil sie ein schlechter Song war (war sie auch), sondern weil dieses schwarze Requiem in den Klu ...