In Cannes war der Teufel los. Das Auditorium tobte. Die Metropole aller Filmfestspiele hatte endlich wieder mal ein Opus im Wettbewerb, das die Gemüter erregte und entzweite. Bei einem Publikum, das gelernt hatte, alles mit Gleichmut hinzunehmen, war das allerhand. Das Objekt der ungewohnten Erregbarkeit kam aus Dänemark und stammt vom Exzentriker Lars von Trier, der sich um filmische Konventionen noch nie scherte. Als Spiritus Rector der «Dogma»-Ethik sorgte er für Wirbel, und bei jenem Film, der in Cannes so wunderbar polarisierte, verzichtete er auf das wichtigste Gut der Kinoschlemmer: Realismus.
«Dogville» heisst das Dreistundenstück und will so weit wie der amerikanische Kontin ...