Wie Sie, liebe Leser, sicher wissen, wurde der bekannteste deutsche Literaturkritiker, Marcel Reich-Ranicki, vor ein paar Tagen neunzig Jahre alt. MRR ist ein einzigartiges Exemplar seiner Spezies: ein Autodidakt, der inzwischen neun oder zehn Ehrendoktortitel bekommen, aber nie studiert hat. Ein Fossil, das lange Passagen von Thomas Mann, Heine und Schiller aus dem Kopf rezitieren kann und Bücher, die ihm nicht gefallen, mit einem Wort entsorgt: «Grässslich!» Ein herzlicher, emotionsgeladener, witziger Sprechsteller, der in druckreifen Sätzen doziert und sich gerne darüber beschwert, dass noch niemand versucht habe, ihn zu bestechen. Heute ein Elefant im Porzellanladen der Literatur, ...