Blaise Hofmann: Die Kuh im Dorf lassen – Oder die Herausforderungen einer nachhaltigen Landwirtschaft in der Schweiz. Atlantis, 185 S., Taschenbuch. Fr. 24.90.
Seite um Seite wird man beim Lesen in den Strukturwandel hineingezogen, der in den letzten Jahrzehnten die Entwicklung der Landwirtschaft beherrscht hat. Der Autor ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat sich dann aus der Branche verabschiedet, wurde Schriftsteller und Dozent, blieb aber mit dem Bauerntum verbunden, auch als Weinbauer. Der altmodische Begriff ist im Zusammenhang mit den Schilderungen von Blaise Hofmann angebracht, denn er beschreibt an vielen Stellen Erinnerungen an Situationen und Ereignisse, die einen beim Lesen in eine frühere Welt versetzen und vor Augen führen, welch gewaltige Veränderungen die Landwirtschaft durchgemacht hat.
Die Geschichten, primär aus dem Welschland, reichen vom gekonnt konstruierten Misthaufen des Grossvaters über Veränderungen der Dörfer, in denen viele Bauernhöfe wie auch Käsereien, Dorfläden und andere Treffpunkte verschwanden, bis zu Gesprächen mit modern eingestellten Bauern aus dem Bekanntenkreis oder der Gegend des Autors, die heute mit Maschinen, Kapital, Wissen und Bürokratie Landwirtschaft betreiben. Hofmann stellt ein breites Spektrum von Leuten mit ihren jeweiligen Ansätzen vor, wie sie mit dem Land umgehen, technisches und biologisches Wissen einsetzen, politisch agieren, um Nahrungsmittel und Umweltgüter zu produzieren.

