Weltwoche: Herr von Dohnanyi, Ihr neues Buch heisst «Nationale Interessen». Beginnen wir mit dem Begriff: Was sind nationale Interessen? Wer definiert sie?
Klaus von Dohnanyi: Jeder souveräne Staat hat nationale Interessen. Sie ergeben sich aus der politischen Lage. In einer Demokratie formulieren Parlament, Regierung und Gerichte diese Interessen. So ist Frankreich für die Atomenergie, während Deutschland dagegen ist. Das führte in der EU zu einem Konflikt um die sogenannte Taxonomie, also um die Frage, ob Investitionen in Atomenergie als nachhaltig gelten dürfen. Beide Staaten versuchten, ihr nationales Interesse durchzusetzen. Am Ende hat Frankreich gewonnen. ...