Als der Blinde mit seinem Gesang anhob, wurde es auf einen Schlag still im riesigen Zelt. Die über 1500 Vertreter der Loya Jirga, des grossen Rates des afghanischen Volkes, die Stammesnotabeln, Kriegsgewinnler, Gelehrten, Nomadenfürsten, stellten ihr Gemurmel und Getuschel ein und unterbrachen ihre Intrigen, Rachepläne, Machtkämpfe. Für ein paar Minuten wenigstens erreichten sie, wozu sie im Frühsommer aus sämtlichen Gegenden des Landes eigentlich hergereist waren: Frieden zu schaffen in ihrer seit einem Vierteljahrhundert von mörderischen Bruderkriegen zerrissenen Heimat. Alle lauschten sie regungslos Qari Barakatullah Salim, dem blinden Interpreten mit der beseelten Stimme.
In den ...