Sonntag, Wahltag, 8 Uhr. Ich erwache und bin leicht irritiert. Obwohl: Wahltage sind mir durch meine 16 Jahre als Moderator und Chefredaktor bei SF DRS eigentlich vertraut. Doch heute ist alles anders. Ich fühle mich seltsam unbeschäftigt. Der Grund: Heute bin ich nicht Journalist, Moderator und Wahlanalytiker, sondern selber Kandidat – ein eigenartiges Gefühl.«Papa arbeiten?», fragt mein dreijähriger Sohn. «Nein», sage ich, «heute arbeite ich nicht, heute warte ich.»
Ich setze Kaffee auf und muss an meinen längst verstorbenen Grossvater denken. Er sass in den sechziger Jahren für die St. Galler CVP im Nationalrat, von wo aus er mir regelmässig Briefe ins Internat nach Disenti ...