Ideologische Flexibilität zeichnet nicht nur Politiker aus. Vor vier Jahren erstattete Bruno Steiner, damals Bezirksrichter in Zürich, eine Strafanzeige gegen Christoph Blocher. Der SVP-Politiker hatte nach Steiners Meinung mit der Behauptung, den jüdischen Organisationen gehe es bei den Kampagnen für Reparationszahlungen nur um Geld, gegen das Antirassismusgesetz (ARG) verstossen. Die Anzeige löste in Justizkreisen vor allem Kopfschütteln aus: Worum sollte es bei Geldforderungen denn sonst gehen? Steiner sattelte in der Folge zum Strafverteidiger um – und wechselte prompt auch die Fronten: In einem Plädoyer für die Meinungsfreiheit forderte er die Abschaffung des «Maulkorb-Gesetz ...