Kürzlich ist Dietrich Fischer-Dieskau achtzig geworden, ein Jahrhundertsänger mit fabelhaftem Repertoire und einer Baritonstimme von frappanter Charakteristik. Singen tut er seit dreizehn Jahren nicht mehr, höchstens in der Badewanne. Und doch hat er sich keineswegs ganz verabschiedet. Er nahm eine alte, offenbar wenig gerostete Liebe wieder auf – das Melodram. Rezitation zu unterlegter Musik.
Das Melodram, eine stachelige Nebenblüte im Musikgarten, gilt als Frucht des 18. Jahrhunderts. Man trifft es hie und da in Opern an, etwa im «Fidelio» oder im «Freischütz». Als eigenständige Konzertgattung blieb es stets ein Kuriosum. Neben kürzeren Beiträgen von Schumann und Liszt wartet ...