Gäule und Golfer
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Gäule und Golfer

Gäule und Golfer

Das Golf-Handicap wurde aus einem einfachen Grund erfunden: Wenn immer der Bessere gewinnt, wird es sterbenslangweilig.

Zugegeben, der Witz ist etwas geschmacklos, aber ganz so schlecht ist er nicht: Warum ist Golf bei den Paralympics keine zugelassene Disziplin? Man kann die Teilnehmer ja nicht gut fragen, was für ein Handicap sie haben.

Das Handicap ist eine Spezialität, die es ausser bei Golf nur im Pferdesport gibt. Ein schlechterer Gaul muss in einem Pferderennen deutlich weniger Gewicht tragen als ein besserer Gaul. So hat auch der Minderbegabte eine Chance.

IMAGO/Focus Images
Chancengleichheit: Pferderennen.
IMAGO/Focus Images

Auf dem Golfplatz ist es genauso. Ein schlechter Spieler darf auf einer Runde deutlich mehr Schläge brauchen als ein guter Spieler. So hat auch der Minderbegabte eine Chance.

Das schlechtere Pferd hat ein schlechteres Handicap. Der schlechtere Golfer hat ein schlechteres Handicap. Dadurch haben beide eine bessere Chance auf den Sieg.

Es ist klar, warum bei Pferderennen und bei Golfpartien dieses Handicap erfunden wurde, das die schlechteren Teilnehmer den besseren Teilnehmern gleichstellt. Sonst könnte man nicht wetten und nicht um Geld spielen. Wenn immer der bessere Gaul und immer der bessere Golfspieler gewinnen, dann ist das sterbenslangweilig.

Fair um eine Flasche Whisky spielen

Erfunden wurde das Handicap von den wettfreudigen Briten. Ein guter Golfer im Dorf wie der Pfarrer, der viel Zeit hatte, wollte auch gegen einen schlechteren Golfer im Dorf spielen, der weniger Zeit hatte, etwa gegen den Schuhmacher. Der Pfarrer hatte vielleicht Handicap 6, der Schuhmacher hatte vielleicht Handicap 18. Wenn sie eine Runde um eine Flasche Whisky oder um ein Pfund Sterling spielten, musste Chancengleichheit herrschen. Also gab der Pfarrer dem Schuhmacher zwölf Schläge vor.

Wenn aber dann immer der Schuhmacher gewann, dann verkleinerte man sein Handicap so lange, bis wieder der Pfarrer gewann. Und so weiter.

Darum geht es beim Handicap. Es geht darum, dass zwei unterschiedliche Spieler fair um eine Flasche Whisky spielen können oder um eine Handvoll Geld.

Das Handicap war historisch eine rein pragmatische Problemlösung für einen Wetteinsatz.

Heute ist das Handicap nicht mehr eine Problemlösung für einen Wetteinsatz, sondern eine Prestigefrage. Das Handicap ist eine Art Visitenkarte des Ehrgeizes geworden. Die Manie des sogenannten Herunterspielens ist bei Einsteigern noch verständlich, bei erfahrenen Spielern dann aber eher wundersam. Sie verbringen Stunden auf der Driving Range und auf dem Putting Green, weil sie von Handicap 15,2 auf Handicap 14,0 runterkommen wollen.

Je tiefer das Handicap, so denken manche, umso höher sei ihr Sozialstatus im Klubhaus. Das ist natürlich Unsinn. Die Höhe des Sozialstatus im Klub ermisst sich an der Höhe der Rechnungen, die man an der Bar und im Restaurant aus eigener Tasche begleicht.

Um die Überbewertung des Handicaps etwas zu entschärfen, lohnt auch ein Blick in die Statistik. Das ideale Handicap für einen Hobbygolfer ist im Grunde Handicap 18. Dann darf man an jedem Loch einen Schlag mehr brauchen, als es die Platzvorgabe für die Profis festlegt. Handicap 18 und tiefer aber haben nur ein Fünftel aller Golfer. Man gehört damit schon zur Elite. Wer also bei Handicap 18 angekommen ist, kann das Trainingsgelände grossräumig umfahren.

Wenn man schon seine Zeit verschwenden will, dann verschwendet man seine Zeit besser an der gutsortierten Bar des Klubhauses.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.