Die Kathedrale von Chartres ist eine Frau von umwerfender Schönheit. So sah es der französische Autor Joris-Karl Huysmans in seinem Roman «La Cathédrale» (1898). Ihre Haut ist aus Alabaster, sie duftet nach Weihrauch, und der Gang der Sonne in ihren Fenstern macht unter den hohen Decken Maria präsent «wie eine Silberglocke». Notre-Dame de Paris hingegen ist, so Huysmans, eine schwarz verrusste Hure, ihre Gargoyles repräsentieren alle Sünden der Welt. Für Huysmans bedeutete die Kathedrale Anziehung und Abstossung zugleich. Denn verschmutzt vom Grossstadtdreck und als Ruine einer toten Sprache, steht ihre Oberfläche sowohl in Distanz als auch in Nähe zur eigenen Zeit. Wie aber kam ...