Der Mann – nennen wir ihn Kemal – wohnt mit seiner Frau in einem schwäbischen Dorf. Er hat bis vor einigen Jahren ein gut gehendes Reinigungsunternehmen geführt, ist Vater von fünf Kindern und, wie man so schön sagt, im besten Alter. Aber er ist vollständig gelähmt. Wie eine Wachsfigur sitzt er in seinem Sessel und starrt auf die Wohnwand. Ein Beatmungsschlauch steckt in seinem Hals. Die Gäste berühren zur Begrüssung seine Hand, die lahm auf seinem Schenkel ruht. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Das ist fast die letzte Muskeltätigkeit, die ihm geblieben ist. Die andere, von unschätzbarem Wert für ihn: Er kann die Lider senken – damit signalisiert er «ja». Hebt er d ...