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Die Weltwoche

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Tamara Wernli

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Tiktok-Prinzessinnen und ihre Wunschlisten an Männer: Comedy oder Chaos?

Der neuste Trend, der die Damen- und Herrenwelt aufmischt: «Icks bei Männern». Falls Sie sich fragen, was Ick bedeutet – ich musste es selbst nachlesen: «Ick» heisst so viel wie «igitt» oder red flag. Und wo könnte dieser Trend besser gedeihen als auf Tiktok? Die Akteurinnen dieses Spektakels sehen ein bisschen aus wie Kim-Kardashian-Klone. Sie teilen der Welt mit, was sie an Männern total abtörnt, und Hunderttausende, hauptsächlich junge Menschen, sehen es sich an. Denn wer möchte nicht wissen, welche fatalen Fehler ein Mann unbedingt vermeiden sollte? Abtörnerlisten sind nichts, worüber man eine Kolumne schreiben müsste – nur sind die Inhalte im Jahr 2024 etwas speziell.

Illustration: Fernando Vicente
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Illustration: Fernando Vicente

«Meine Icks bei Männern: Bestellung bei Starbucks. Das ist für Girlies, ok!? Oder er lässt mich wirklich zahlen, wenn ich es anbiete!», sagt sie, und mit den Augen rollend: «Du wirst mich nie wiedersehen.» Wehe dem, der nicht versteht, dass sie es gar nicht so meint, wie sie es sagt! Die Nächste: «Angenommen, mein Freund ist mid-ugly, aber seine ganze Familie ist ugly – dann kann ich keine Kinder mit ihm haben. Dann habe ich Angst, dass diese schlechten Gene an meine Kinder weitergetragen werden.» Der Darwin-Award fürs Dating geht wohl an diejenigen, die das nicht bedenken. «Er hat eine Rolex, aber arbeitet nine to five. Was soll diese Rolex sagen? Sofort Ick. Du hättest in etwas anderes investieren sollen, wie Immobilien!»

American-Express-Karte, Skinny-Jeans, Rechtschreibfehler, 2-in-1-Shampoo – alles wird gnadenlos auf die Ick-Liste gesetzt. Wenn er als Mann Influencer ist. Oder: «Wenn er Fahrrad fährt und auch noch einen Helm trägt!»; zwei Freundinnen kriegen sich kaum mehr ein.

Dass die jüngere Generation schnell mal mit Dingen «nicht klarkommt», ist nichts Neues.

Eine gewisse Ironie liegt darin, dass sie hysterisch über Dinge lachen, die für die meisten als völlig normal durchgehen. Mehrfach wird die Marke erwähnt: «Er hat ein Samsung-Handy: Wir können nicht befreundet sein, es tut mir leid. Ich komme damit nicht klar.» Nur Apple sei das Wahre. Okay, kleiner Trick für Männer: Kauft euch ein Samsung-Handy und legt es immer gut sichtbar auf den Tisch, dann müsst ihr euch nicht mit solch tiefgreifenden Überlegungen herumschlagen.

Dass die jüngere Generation schnell mal mit Dingen «nicht klarkommt», ist nichts Neues. Wenn man von klein auf eingeredet bekommt, dass man etwas ganz Besonderes sei und, wie heute vielerorts üblich, schon allein fürs Mitmachen einen Pokal bekommt, entwickelt man zwangsläufig eine Prinzessinnenmentalität. Man hat realitätsferne Ansprüche, ohne sich zu überlegen, was man eigentlich selbst zu bieten hat. Interessant ist auch, dass kaum auf Charaktermerkmale eingegangen wird, sondern vor allem auf oberflächliche Attribute und Verhaltensweisen.

Aber wir sollten das auch nicht zu ernst nehmen, diese Trends ändern nicht die Welt. Die Videos sind in ihrem Alterskontext zu sehen, die Mädels sind geschätzt zwischen zwanzig und dreissig Jahre alt. Genauso wenig darf man sie als Massstab für die gesamte junge Damenwelt nehmen. Auch zeigen sie nicht unbedingt ihr wahres Ich; es heisst nicht, dass sie ihre Listen genauso durchziehen. Viele tun es zwecks Aufmerksamkeit, Likes, Bestätigung und Follower. Es ist eine Form der Unterhaltung, ein digitales Theaterstück.

Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass solche Trends gewisse Muster haben. Problematisch wird es, wenn die kritische Perspektive fehlt oder diese absurde Anspruchshaltung unreflektiert übernommen wird. Denn was passiert dann? Die Mädels beeinflussen sich alle gegenseitig, viele plappern den anderen nach, ohne etwas zu hinterfragen – und schwupp glaubt man tatsächlich, dass man diese Haltung gegenüber Männern haben muss.

Diese Trends sind wie Fast Food: kurzfristig befriedigend, langfristig schädlich. Die überzogenen Ansprüche schaden mehr, als sie nützen. Männer könnten denken, dass sie nie die von ihnen erwarteten Standards erreichen können, was es für sie schwieriger gestaltet, romantische Verbindungen herzustellen. Und Frauen stellen sich mit einer solchen Attitüde auf einen Schlossturm und sabotieren ihre eigenen Chancen auf echte Beziehungen. Ach, wie einfach war es doch vor Social Media.

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