Filme sind das ideale Einmachglas für das Lebensgefühl einer Epoche. Wer alte Werke ansieht, blickt auf die Innereien der Seelen seiner Väter oder Grossväter. Von Zeit zu Zeit lohnt sich ein solcher Blick zurück; vor allem, wenn es um eine Ära oder einen Stil geht, der längst in Vergessenheit geraten ist – wie Italiens Neorealismus, der ungeschminkt die Wirklichkeit der Nachkriegszeit einzufangen versuchte. Einer der Rigorosesten und Ersten der Bewegung war Roberto Rossellini (1906–1977). Mit seiner vehementen Abneigung gegen Studios und ausgearbeitete Drehbücher gehörte er rasch zur Speerspitze mit Filmen über Krieg, Widerstand, Befreiung und Wiederaufbau. Schildert «Roma cit ...