In diesen Sommertagen vor genau 99 Jahren reisten meine Grosseltern vom polnischen Kutno in die Schweiz, um so der drückenden Armut und dem virulenten Antisemitismus zu entfliehen. Der ältere Bruder meines Grossvaters, der einige Jahre zuvor nach Basel gekommen war und sich dort schon recht gut eingelebt hatte, wollte seine armen, ungebildeten und orientierungslosen Verwandten nicht in seiner Nähe haben und empfahl ihnen, ins ferne Chur zu reisen, um sich dort eine Existenz aufzubauen. Zwei Jahre später wurde mein Vater geboren. In ihrer kargen Wohnung an der Lukmaniergasse im damaligen Churer Armenviertel musste die Familie in den ersten Jahren viele Entbehrungen auf sich nehmen, vor al ...