Genuss, sagt René Gabriel, ist eine Vision. Weingenuss erst recht. Das hebt den Vorschmecker in eine über dem Objektiven schwebende Sphäre zwischen Erleuchtung, Scharlatanerie und äusserster Sensibilisierung. Für die Qualität eines Weins gibt es keinen Urmeter. Ihre Beurteilung ergibt sich aus dem Training einer besonderen analytischen Begabung, vor allem aber aus der Fähigkeit, das Ganze wieder synthetisch als solches zusammenzuschmecken und zu memorieren. Das geht nicht ohne unzählige Quervergleiche und ein Gedächtnis, das diese speichert beziehungsweise aus den Worthülsen der Degustationsnotizen die Erinnerung an die sinnliche Wahrnehmung rekonstruiert und abruft. Es geht nicht ...