Kunst kommt nicht aus dem Bauch oder aus tiefer gelegenen Zonen. Zumindest nicht nur. Bis heute hat sich ja in Teilen des Jazz der Irrtum gehalten, Vitalität, Spontaneität, Originalität seien alles in der improvisierten Musik, der Kopf aber eine hinderliche Zensurinstanz. Solcher dampfender Vitalismus endete meist in Kraftmeierei. Er ist nicht weniger absurd als die gegenteilige Behauptung: dass das Bewusstsein allein Kunst schaffe, Kontrolle und Kalkül, gewissermassen das musikalische, poetische, malerische Über-Ich. Der ganze Kopf-Bauch-Dualismus ist ein fatales Konstrukt. Das Hirn ist auch die Produktionsstätte von Gefühlen. Oder anders, mit Wedekind gesagt, diesem lange als Apolog ...