Was es bedeutet, in Russland zu leben, hatte ich schneller begriffen, als mir lieb war. Ich stieg mit meinen Klassenkameraden aus dem Bus, schleppte den Koffer ins Hotel, um einzuchecken. Diese zehn Minuten Moskau reichten aus, um zu verstehen: Russe zu sein, heisst, die trostlose Zeit zwischen der Geburt und dem Tod irgendwie überstehen zu müssen. In den Sofas der unfassbar grauen Lobby sassen schlecht geschminkte Frauen im Alter von 18 bis 55, Töchter und Ehepartnerinnen der Mitarbeiter des Hotels. Sie trugen grüne, blaue, gelbe Miniröcke aus kommunistischer Produktion und wollten uns zwei Dinge verkaufen: ihre Körper und selbst gebrannten Wodka in braunen Bierflaschen. Die Damen spr ...