Gourmet mit giftiger Vorliebe
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Die Weltwoche

Gourmet mit giftiger Vorliebe

Überlebensstrategien

Gourmet mit giftiger Vorliebe

Heerscharen von Touristen kommen jährlich nach Australien. Und fast alle besuchen einen der vielen Wildparks, wo die -herzigen Koalas scheinbar nur darauf warten, gehätschelt zu werden. Koalas sind zu den wohl wichtigsten Botschaftern des Landes geworden. Ihre Zukunft ist aller-dings stark gefährdet. -Lebten ursprünglich Millionen von -Koalas auf dem Kontinent, fielen der «Kultivierung» Australiens durch -weisse Siedler vier Fünftel der Wälder zum Opfer – und damit ein Grossteil der Lebensgrundlage der Koalas. 

c 2018 Coral Brunner/Shutterstock.  No use without permission.
Pflegen ein schläfriges Verhalten, um überleben zu können: Aschgrauer Beutelbär alias Koala.
c 2018 Coral Brunner/Shutterstock. No use without permission.

Noch verheerender war die Jagd. Die Neusiedler knallten die wehrlosen Fellbündel zu Tausenden von den Bäumen – erst aus purer Schiesslust und schliesslich aus kommerziellen Gründen, denn der silbergraue Koalapelz liess sich auf dem Weltmarkt gut verkaufen. Heute leben im Osten und Südosten Australiens noch 40 000 bis 80 000 -Koalas –in einer prekären Gegenwart, denn jährlich werden um die 4000 der langsamen Tiere von Autos überfahren oder von Hunden totgebissen, oder sie ertrinken in Swimmingpools. 

 

Problematischer Eukalyptus

Der Koala trägt den wissenschaftlichen Namen «Aschgrauer Beutelbär». Sein weiches Fell, flauschige Ohren, Kulleraugen und die lustige schwarze Nase machten das Tier als «Teddybär» zum Kinderliebling. Doch ist die Zuordnung zu den Bären falsch. Denn der Koala hat keine Plazenta wie der Bär, sondern ist ein Beuteltier – eine Säugervariante, die ihre Embryonen anstatt in der Gebärmutter in einem Aussenbeutel wachsen lässt. 

Lieblingsplatz des Koalas ist der Baum. Dort findet er Nahrung, Schutz und Ruhe. Der Koala hat sich im Laufe der Evolution auf eine Nahrung spezialisiert, die anderen Tieren weder schmeckt noch bekommt: die faserigen Blätter der Eukalyptusbäume. Koalas nutzen etwa siebzig Eukalyptusarten mit Tagesrationen von 600 bis 1200 Gramm. Die ätherischen Öle des Eukalyptus liefern dem Tier die notwendige Energie. Auch deckt der hohe Wassergehalt der Eukalyptusblätter den Flüssigkeitsbedarf, was dem Koala den gefährlichen Gang zur Wasserstelle erspart. Die Eukalyptusblätter sind als Tiernahrung jedoch wenig attraktiv, weil sie weitgehend aus Zellulose bestehen und nur geringe Mengen an Nährstoffen enthalten. Manche Eukalyptusarten produzieren zudem als Schutz gegen Blattfresser unbekömmliche Phenole und giftige Blausäureverbindungen. Es ist beeindruckend, wie die Koalas mit dem nahrungstechnischen Handicap fertigwerden.

Sie haben einen über zwei Meter langen Blinddarm, in dem spezielle Bakterien siedeln, die dem Wirt die sonst unverdauliche Zellulose aufschliessen und so wertvolle Nährstoffe verfügbar machen. Diese Vergärung mit Hilfe der Darmbakterien-Enzyme hat den Koalas den Ruf eingetragen, sie hockten den lieben langen Tag besoffen auf ihren Bäumen. Sie sind jedoch keineswegs alkoholisiert; sie pflegen vielmehr ein schläfriges Verhalten, um mit ihrem sehr langsamen Stoffwechsel überleben zu können. Die karge Ernährung bestimmt den Lebensstil: etwa zwanzig Stunden schlafen, zwei Stunden fressen, zwei Stunden fortbewegen. Für Körperpflege und Gesellschaftsleben bleibt täglich ein Viertelstündchen. 

Wie die Koalas einer Blausäurevergiftung entgehen, ist erst ansatzweise bekannt. So nehmen sie kein Blatt in den Mund, bevor sie nicht sorgfältig am Zweig geschnuppert haben. Höchstwahrscheinlich können die Tiere mit ihrer empfindlichen Nase die je nach Eukalyptusart, Standort und Witterung unterschiedliche Giftigkeit der -Blätter beurteilen und somit die stark giftigen Exemplare meiden. Koalas fressen auch gelegentlich Erde, was sowohl den Mineralhaushalt ergänzen als auch Entgiftungshilfe leisten kann. Kleinere Giftmengen werden vermutlich im Darm selber neutralisiert.

 

 

Herbert Cerutti ist Autor und Tierexperte.

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