Wäre Musik lückenlos zu beschreiben, müsste sie nicht gespielt werden. Das vergessen zuweilen nicht nur Musikwissenschaftler, sondern sogar Musiker selbst, wenn sie, theoretisch mit ihrer Anatomie beschäftigt (sozusagen über ihre eigene Leiche gebeugt), aus dem, was ihnen einfiel, eine Theorie destillieren. Oder, in der Regel fataler, ihrer Kunst eine Theorie überstülpen. So hat es mich immer ein bisschen irritiert, dass Christoph Stiefel, einer der lebendigsten unter den vielen erstklassigen Schweizer Pianisten, seit bald zwanzig Jahren an seinem isorhythmischen Konzept tüftelt. Auf das er zuerst instinktiv gekommen sein will. Worum geht es? Isorhythmen sind ein Konstruktionsprinz ...