Die Motorradmarke Kawasaki aus Akashi steht seit Jahrzehnten im Ruf, Maschinen zu bauen, die mehr sind als die Summe ihrer Teile – Motorräder mit Charakter, mit Nachdruck, mit einer gewissen unverblümten Direktheit, die man schon alleine wegen ihrer unverkennbaren grünen Kraft mögen muss. Der Fokus auf Leistung, Sportlichkeit und ein Design, das Vorwärtsdrang ausstrahlt, ist eine Gemeinsamkeit, die (fast) alle Modelle der japanischen Marke teilen.
Für 2026 gibt es von Kawasaki in der Schweiz fünf neue oder grundlegend überarbeitete Modelle: ein Rallye-Abenteuergerät, ein mittelklassiges Naked Bike mit Biss, einen Retroklassiker mit modernem Kern, ein Supernaked-Flaggschiff sowie einen Supersportler mit Rennstrecken-DNA. Fünf Motorräder, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und die dennoch mehr verbindet, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Wer die fünf Neuheiten nebeneinander betrachtet, entdeckt schnell einen gemeinsamen roten Faden – oder besser gesagt: einen grünen. Kawasaki denkt Motorräder immer ganzheitlich. Das bedeutet: keine Mogelpackungen, bei denen ein alter Motor in neue Verkleidung gesteckt wird, sondern ein stimmiges Zusammenspiel aus Chassis, Antrieb, Elektronik und Ergonomie.
Alle fünf Modelle setzen auf moderne Elektronikpakete mit Traktionskontrolle, ABS und Konnektivität zur Rideology-App. Das klingt nach Marketing-Sprech, ist aber tatsächlich praktisch: Per Smartphone lassen sich Fahrdaten ablesen, Einstellungen vornehmen und das Motorrad besser verstehen. Auch das Thema Fahrkomfort zieht sich durch die gesamte Palette – neue Sitze, überarbeitete Ergonomie, breitere Lenker. Schliesslich soll das Lächeln im Gesicht unter dem Helm auch nach Stunden auf einer Kawasaki nicht verschwinden.
Und natürlich sehen alle Neuheiten unverkennbar nach Kawasaki aus. Die Designer haben ein gutes Gespür dafür, jedem Modell eine eigene Persönlichkeit zu geben, ohne den Markenkern zu verwässern.
KLE500: Das Abenteuer ruft (wieder)
Es braucht ein gewisses Alter, um sich an die ursprüngliche KLE500 zu erinnern, die letzte Version verabschiedete sich 1991. Das ist über dreissig Jahre her. Dass Kawasaki den Namen jetzt wieder mit neuem Leben füllt, ist kein nostalgischer Trick, sondern ein echtes Statement.
Die neue KLE500 SE (ab Fr. 7350.–) ist ein kompaktes Adventure-Bike im Rallye-Stil, mit dem man auch mal die Asphaltbahn verlassen kann. Ein Gitterrohrrahmen, eine Radkombination aus 21 Zoll vorne und 17 Zoll hinten, eine speziell entwickelte KYB-Upside-Down-Gabel und eine neue Uni-Trak-Hinterradaufhängung: Das klingt nach ernsthafter Geländekompetenz. Gleichzeitig bleibt die KLE500 SE mit dem bewährten wassergekühlten Parallel-Twin alltagstauglich und – das ist wichtig – mit dem Führerausweis «A beschränkt» fahrbar. Damit öffnet Kawasaki das Abenteuersegment auch für Ein- und Wiedereinsteiger.
Besonders durchdacht ist das Sitzkonzept: Vier verschiedene Konfigurationen sind möglich für verschiedene Komfortniveaus. Eine in drei Positionen verstellbare Windschutzscheibe, ein optionales Gepäcksystem und eine breite Palette an Originalzubehör machen die KLE500 SE zur Reisemaschine. Beim SE-Modell gibt es ein TFT-Farbdisplay, LED-Blinker und eine grössere Windschutzscheibe zusätzlich gegenüber dem Basismodell . Das Leben ist eine Rallye – die KLE500 SE ist der richtige Töff dafür.
Z650 S: Naked Bike mit Biss
Die Z650 war bereits ein überzeugendes Stadtmotorrad für alle, die Fahrspass wollen, ohne gleich einen Rennanzug anzuziehen. Die neue Z650 S für 2026 (ab Fr. 8100.–) wirkt jetzt noch überzeugender – und zwar in fast jeder Hinsicht. Optisch fällt zuerst die neue Front auf: Drei LED-Scheinwerfer blicken scharf geradeaus, die Verkleidungsteile sind voluminöser und präsenter, das Heck kompakt und aufgeräumt. Die Z650 S ist ein Motorrad, auf dem sich andere auf der Strasse umdrehen.
Technisch sind die Verbesserungen spür- und sichtbar. Der Lenker ist dreissig Millimeter breiter, die Fussstützen wurden neu positioniert, der Sitz ist höher und besser gepolstert – alles zusammen ergibt eine sportlichere, nach vorne geneigte Haltung, die im Stadtverkehr Sinn macht. Ein neues 4,3-Zoll-TFT-Display liefert die wichtigsten Infos und lässt sich auf Wunsch zwischen zwei Darstellungsmodi und automatischer Helligkeitsanpassung umschalten. Der Parallel-Twin mit 649 ccm blieb im Wesentlichen unangetastet, er leistet schliesslich gute Arbeit. Neu sind die Traktionskontrolle als Serienausstattung sowie eine patentierte Kühlerlüfterabdeckung, die heisse Luft nach unten und weg vom Fahrer leitet. Wer schon einmal im Sommer in einem Stau auf einem wassergekühlten Motorrad gestanden hat, weiss: Das ist keine Kleinigkeit.
Z900RS: Die erneuerte Legende
Es gibt Motorräder, die erklären sich von selbst – jedenfalls für Leute mit einem Flair für schöne Maschinen. Die Z900RS (ab Fr. 13 700.–) ist so ein Motorrad. Inspiriert von der legendären Z1 der siebziger Jahre, vereint sie Retrocharme mit moderner Technik – so überzeugend, dass man kaum unterscheiden kann, wo das eine aufhört und das andere anfängt. Für 2026 bringt Kawasaki bedeutende Neuerungen, dabei bleibt die Seele des Bikes erhalten. Neu sind elektronische Drosselklappen, eine Geschwindigkeitsregelung (Tempomat), die Kawasaki-«Cornering Management Function» (KCMF) und ein Quick Shifter für komfortables Hoch- und Runterschalten. Das klingt nach Technik aus einem ganz anderen Segment – und ist es auch. Die Z900RS bekommt damit ein Assistenzpaket, das früher Supersportlern vorbehalten war. Neu ist sie auch als 70-kW-Version erhältlich, die zum Einstieg auf 35 kW gedrosselt werden kann.
Der Tropfentank, die ikonischen Kühlrippen, die aufrechte und entspannte Sitzposition sowie das ovale LED-Rücklicht hingegen sind noch da. Und der neu gestaltete Auspuff fügt sich harmonisch ins Gesamtbild ein und verleiht der Z900RS einen noch ausdrucksstärkeren Auftritt und Klang. Die SE-Variante (ab Fr. 15 000.–)hat zusätzlich Brembo-Bremsen, Öhlins-Federbein und eine Neuinterpretation der legendären «Fireball»-Lackierung.
Z1100: Sugomi ist erwacht
«Sugomi» bezeichnet auf Japanisch eine Atmosphäre des Bedrohlichen, Imposanten, Respektgebietenden – und ist seit 2014 das Leitprinzip der Z-Modelle von Kawasaki. Die neue Z1100 (ab Fr. 12 650.–) trägt diesen Begriff sozusagen in jeder Linie ihrer Karosserie. Als Spitzenmodell der Z-Saugmotoren-Familie arbeitet im Zentrum der Z1100 ein Reihenvierzylindermotor mit 1099 ccm, der gründlich überarbeitet wurde. Neue Einlasskanäle, überarbeitete Nockenwellen, neue Kolben, verlängerte Übersetzungen in den oberen Gängen – das alles zielt darauf ab, die Kraftentfaltung über das gesamte Drehzahlband gleichmässiger zu machen. Mehr Schwungmasse, mehr Hub: Die Z1100 kann bei jeder Drehzahl imposante Leistung abrufen.
Auffällig ist auch die überarbeitete Ergonomie: Der neue Lenker ist 22 Millimeter breiter und 13 Millimeter weiter nach vorne gezogen. Das klingt nach Detail, macht sich im Alltag aber erheblich bemerkbar – direkteres Handling, bessere Kontrolle, weniger Anstrengung. Dazu kommen der neue 5-Zoll-TFT-Bildschirm, KCMF, Traktionskontrolle und Schaltassistent. Das SE-Modell (ab Fr. 14 000.–) rundet das Paket mit Brembo-Bremsen und Öhlins-Federbein ab.
Ninja ZX-10R: Rennstrecke als Heimat
Und dann ist da noch die Ninja ZX-10R (ab Fr. 19 600.–). Mit sieben WorldSBK-Titeln kaum noch besser vorstellbar – bei Kawasaki hat man das dennoch gemacht. Am auffälligsten ist das neue Aerodynamikpaket mit deutlich vergrösserten Winglets. Diese sind nicht nur Dekoration: Die Abtriebskraft wurde gegenüber dem Vorgänger um rund 25 Prozent gesteigert. Das bedeutet mehr Stabilität bei hohen Geschwindigkeiten, besseres Feedback am Vorderrad in Kurven und – falls es die Rennstrecke sein soll – schnellere Rundenzeiten. Die Ingenieure haben dabei sorgsam auf das Verhältnis zwischen Abtrieb und Luftwiderstand geachtet.
Der Motor erfüllt die Euro5+-Norm, ohne das Hochleistungsgefühl des Vorgängers einzubüssen. Das neue 5-Zoll-TFT-Display, kompakte Hybrid-Scheinwerfer und ein neu positionierter Ram-Air-Einlass runden das neue Gesicht der ZX-10R ab. Das Fahrwerk mit der bewährten BFF-Gabel und dem BFRC-lite-Federbein wurde auf die veränderte Aerodynamik abgestimmt, Brembo-M50-Bremssättel mit 330-mm-Scheiben sorgen für angemessene Verzögerung. Die exklusivere ZX-10RR obendrein mit Pankl-Pleuel und Öhlins-Lenkungsdämpfer. Wer auf dem Rundkurs das Maximum sucht – und dabei nicht auf Assistenzsysteme wie Launch Control, KCMF oder das integrierte Bremssystem verzichten möchte –, findet in der ZX-10R einen verlässlichen Partner, um Grenzen auszuloten.
Fazit: Kawasaki bekennt sich mit den neuen Modellen zur Vielfalt. Vom Abenteuereinsteiger bis zum rennstreckenerprobten Supersportler – die Japaner bauen seit Jahrzehnten Motorräder für Menschen mit Freiheitsdrang in jeder Lebensphase und mit jeder Ambition.
Mehr Informationen: www.kawasaki.ch

