Bisher war unsere Rollenverteilung klar: Ich hatte unliebsame Verehrer, und Riccardo verscheuchte sie. «Mein Onkel Zülfü aus der Heimat ist gekommen, ein wachsames Auge auf mein europäisch verdorbenes Leben zu werfen», stellte ich ihn jeweils vor. Riccardo nuschelte etwas, was für ihn wie Türkisch und für mich wie sein übliches Bauarbeiterdeutsch klang, ohrfeigte den Verehrer liebevoll im Namen der Familie und sagte: «Mini Sohn. Du musse Muslim werde. Esse ab sofort keine Schinken, mache unten Beschneidigung und keine Gürgür bevore heirate.» - «Gürgür?» - «Er meint Sex», übersetzte ich Riccardos Türkisch in Normalsprache. Spätestens dann ging der Verehrer Zigaretten hol ...