Darum will ich, dass die jüngeren (Witwen) heiraten, Kinder gebären, ihren Haushalt führen. (1. Timotheus 5,14) _ Der Verfasser dieses Briefes an den Gemeindeleiter Timotheus ist vermutlich ein Paulus-Schüler. Seine Anweisung findet heute wenig Zustimmung. Längst ist anerkannt, dass Frauen ebenso souverän wie die Männer ihren Lebensweg zwischen Familie und Beruf wählen dürfen. Dagegen renne ich nicht an, will jedoch die biblischen Worte respektvoll abwägen. Die Dreiheit von Heirat, Kindergebären und Hausverwaltung nimmt Bezug auf Aussagen im Alten Testament. Im zweiten Schöpfungsbericht (Genesis 2,4–25) wird die Frau dem – ebenfalls völlig ausgelasteten — Mann zugeordnet, damit er eine Hilfe habe. Von Gleichberechtigung keine Rede.
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Die Ungleichheit zeigt sich bis heute in der katholischen Kirche. Auch in der reformierten Kirche sind Frauen erst seit wenigen Jahrzehnten zum Pfarramt zugelassen. Die Kindererziehung und die Haushaltung erforderten die ganze Energie der Frau, solange es keine fossilen Brennstoffe gab. Immerhin gehörte auch Management dazu: «Will die tüchtige Frau einen Acker, so kauft sie ihn» (Sprüche 31,16). Das Kindergebären mitsamt der Erziehung ist biologisch mit der Frau und damit mit dem Haushalt verknüpft. Es erhebt die Frau zur «Mutter der Lebenden» (Genesis 3,20). Weil der Mensch ein Jahr zu früh geboren wird, setzt sich die enge Beziehung zwischen Mutter und Kind nach der Geburt fort und greift vom Biologischen ins Kulturelle aus. Das sind jedoch keine Argumente gegen die Gleichberechtigung der Frau. Höchstens über den Preis wäre intensiver nachzudenken: Die Völker mit der modernen Gesellschaftsordnung sind wegen der Geburtenzahlen am Schwinden und womöglich am Verschwinden. Der obige Bibeltext müsste wenigstens über dieses Thema eine Debatte anstossen.

