Heiri und der Klubpräsident
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Abonnemente
Jedes Abo eine Liebeserklärung an die Meinungsvielfalt.
AboDigital
Für alle, die Online lesen wollen
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
AboPrint & Digital
Printausgabe & digital jederzeit dabei
Wöchentliche Printausgabe
Alle Artikel online lesen
E-Paper inklusive
App (iOS & Android)
Sind Sie noch nicht überzeugt? Details zu den Abos
Die Weltwoche

Heiri und der Klubpräsident

MARKUS GISLER

Heiri und der Klubpräsident

Markus Gisler über die finanzielle Sorglosigkeit mancher Golfklubs.

Haben Sie sich auch schon gewundert, mit welch schierer Verzweiflung Ihr Flight-Partner seinen im Rough versenkten Ball sucht? Auch nach den erlaubten drei Suchminuten gibt er nicht auf, stampft durchs hohe Gras, vergisst, dass von hinten der nächste Flight drängt. Sanft müssen Sie ihn auf den Ballverlust hinweisen: «Heiri, ich glaube, wir müssen weiter. Drop doch einfach einen Ball auf dem Fairway.»

Heiri und der Klubpräsident

Heiri gehört nicht zu den Porsche Cayenne fahrenden Klubmitgliedern. Der ehemalige Schreiner wohnt im Nachbardorf, ist seit über vierzig Jahren Klubmitglied, war mal ein Singlehandicapper und ist seit acht Jahren pensioniert. Im Klub ist er sehr beliebt, und alle finden es toll, dass er immer noch dabei ist, obwohl er nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Damals, als er dem Klub beitrat, war die Eintrittsgebühr noch bescheiden. Heiri spielt konsequent mit gebrauchten Bällen, die er an jenen Stellen im Wald oder im Out findet, wo häufig Bälle landen.

Angesichts der Tatsache, dass der Ball der geringste Kostenfaktor im Golfsport ist, mag Heiris krampfhafte Suche nach dem verlorenen Ball für manche irrational, ja absurd wirken. Doch Golfer wissen: Gefundene oder wiedergefundene Bälle verleihen einem nach all dem Frust schlechter oder verschlagener Bälle ein immerhin kurzes, kleines Glücksgefühl.

Ganz andere Sorgen bereitet Heiri die Botschaft des Klubpräsidenten, dass es die dringend notwendige Renovation des Klubhauses unumgänglich macht, die Klubmitglieder zu einem Nachschuss von 5000 Franken in die Klubkasse auffordern zu müssen.

Für den Pensionär stellt sich die Frage, ob er aus dem Klub austreten muss und künftig noch als ASGI-Mitglied ab und zu Golf spielen kann. Tatsächlich kommen in der Schweiz solche Forderungen immer wieder vor, doch in einem reichen Land wie der Schweiz sind Heiris Sorgen unter Klubmitgliedern die Ausnahme.

Anders im Ausland: In Grossbritannien schrieb 2023 jeder fünfte Klub Verluste, in Irland jeder vierte. In den USA mit seinen aktuell rund 14 000 Klubs müssen im langjährigen Mittel jedes Jahr ein Prozent oder 140 bis 150 Klubs dichtmachen. Der Grund liegt gemäss der britischen Golfklub-Benchmark-Organisation am geradezu irrationalen Verhalten der Klubmitglieder. Diese – via ihre Klubaktien de facto Eigentümer des Klubs – würden sich nicht wie Eigentümer, sondern wie Konsumenten verhalten. Konkret: Statt die Finanzen langfristig auf eine gesunde Basis abzustützen, genehmigen sie sich möglichst günstige Jahresbeiträge.

Diese auf Konsum ausgerichtete Politik gilt zweifellos auch für hiesige Klubs. Wir wollen ein superschnelles, makelloses Green, perfekte Fairways ohne braune Flecken, ein gutgeführtes Klubrestaurant, moderne Duschen, edle Garderoben und so weiter. Schliesslich haben wir viel für den Klubeintritt bezahlt, und die jährliche Mitgliedergebühr von häufig über 3000 Franken finden wir auch nicht zu knapp.

Die meisten Klubs in der Schweiz kommen mit ihren Einnahmen aus Neueintritten und Greenfees gerade mit einer schwarzen Null heraus, was allerdings nur deshalb klappt, weil der überwiegende Teil der Eintrittsgebühr à fonds perdu bezahlt werden muss und je nach Klub auch schon mal 30 000 Franken oder mehr kosten kann. Golfklubs sind ja im Wesentlichen Immobilienfirmen mit viel Boden und mehreren Gebäuden, doch im Gegensatz zu Immobilien etwa im Stockwerkeigentum, wo das Äufnen eines Reservefonds zwingend ist, unterlassen sie die Bildung substanzieller Reserven. Das führt dann in Abständen von zehn bis fünfzehn Jahren regelmässig zu bösen Überraschungen, weil das Geld für Neuinvestitionen fehlt, namentlich für die Modernisierung des sehr teuren Maschinenparks, für den notwendigen Umbau von einzelnen Greens oder Spielbahnen oder für die Sanierung oder Neugestaltung des in die Jahre gekommen Klubhauses.

 

Dann sieht sich die Klubleitung gezwungen, die Mitglieder zur Kasse zu bitten. So geschehen beispielsweise im Golfklub Zumikon, wo jeder ein paar Tausendernoten beisteuern musste.

Die meisten Mitglieder nehmen solche Nachschüsse in der Regel still hin, schliesslich will sich niemand eine Blösse geben. Viel sinnvoller wäre es, Klubs würden wie im Stockwerkeigentum-Modell einen festgeschriebenen Prozentsatz des Jahresbeitrags in einen Erneuerungsfonds einzahlen. Das würde die Nerven des Finanzchefs beruhigen und bewahrte die Mitglieder vor unliebsamen Überraschungen. Heiri müsste jährlich vielleicht zwei- bis dreihundert Franken mehr zahlen. Und die Klubleitung hätte keine schlaflosen Nächte.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.