Einerseits war Goffredo Petrassi ein getreues Spiegelbild der italienischen Musik in der Mitte des 20. Jahrhunderts; hin und her geworfen zwischen Traditionslast und Aufbruch, Sinnenfreude und Konstruktion. Anderseits setzte er sich zwischen sämtliche Stühle, weil er zwar alle Neuerungen (vor allem die von Schönberg entwickelte Zwölftontechnik) erprobte und sich handkehrum von «diktatorischen und dilettantischen Tendenzen dieses Systemzwangs» distanzierte. Er machte in seiner Heimat Karriere, als Intendant des La-Fenice-Theaters in Venedig und geschätzter Lehrer an der Santa-Cecilia-Akademie in Rom. Zwischendurch verfasste er Filmmusik, etwa für das Meisterstück des erotischen Neore ...