Darf man das? Den Holocaust als Folie für ein Märchen benutzen? Schlimmer: mit dem KZ als Hänsel-und-Gretel-Hexenhaus spielen? Der irische Schriftsteller John Boyne, 37, hat’s gemacht – und einen Weltbestseller gelandet. In 28 Sprachen wurde er übersetzt und von der Kritik hymnisch gefeiert, denn «The Boy in the Striped Pyjamas» ist ein «Holocaustbuch für Kinder» (Guardian). Das äusserste Grauen an kindliche Naivität zu binden, löst extreme Betroffenheitsreize aus, die jede kritische Distanz verbieten. Der neunjährige Bruno, der mit Schwester Gretel den Eltern aus dem schönen Berlin in die Provinz folgen muss, wo der Papa die Leitung eines KZs übernimmt, stösst draussen h ...