Die letzten Wochen in Mauthausen, dem Konzentrationslager unweit von Linz, der Lieblingsstadt Adolf Hitlers, waren für ihn ein Wettlauf zwischen Tod und Befreiung. Als die Amerikaner am 5. Mai 1945 im KZ eintrafen, rannte Simon Wiesenthal auf die Panzer zu. «Endlich frei», dachte er wohl. Und wusste nicht, dass er, auf seine Art, weiterhin Gefangener der Vergangenheit bleiben würde.
Der Mann mit der Häftlingsnummer 127 371 war bei seiner Begegnung mit den GIs so schwach, dass er keine Kraft für den Rückweg in die Baracken hatte, wo die Häftlinge hausten. Wiesenthal, der damals gerade noch 44 Kilo wog, kroch auf allen vieren zurück. Fünf Konzentrationslager hatte er hinter sich, Ze ...