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Die Weltwoche

Hoffen auf Trump

Es wäre das grösste Comeback seit dem Boxer Muhammad «Ich bin der Grösste» Ali. Der frühere US-Präsident Donald Trump, zumindest punkto Rhetorik dem Faust-Champ ebenbürtig, gilt als Favorit der Wahlen. Wer hätte das gedacht? Noch vor zwei Jahren, gejagt und auch juristisch verfolgt von seinen Gegnern, schien er am Boden zu liegen. Was immer Trump am Ende auszeichnet: Er ist ein Unternehmer mit gewaltigen Nehmerqualitäten, einer, der sich nicht unterkriegen lässt, der weiterkämpft. Ginge es ihm nur ums Ego, wie seine Kritiker höhnen, wäre er kaum in der Lage, als bestens situierter Ruheständler mit doch schon 78 Jahren solch ungeheure Energiereserven freizumachen.

AP Photo/Julia Demaree Nikhinson.Election 2024 Trump
Hoffen auf Trump
AP Photo/Julia Demaree Nikhinson.Election 2024 Trump

Trump ist der typische Outsider, der Quereinsteiger, keiner aus dem «tiefen Staat», keine Kreatur des Washingtoner Establishments, sondern, wie vielleicht einst der bei uns bis zuletzt unterschätzte und belächelte Ronald Reagan, der allerdings das Flair des grossväterlichen Gentleman-Humors verbreitete, ein Unkonventioneller, ein Mann der Unterhaltungsbranche und der Wirtschaft. Allein daran, wie unsere Medien auf diesen an sich faszinierenden Typus des politischen Aussenseiters einprügeln, lässt sich ermessen, wie sehr der Journalismus geistig vereinnahmt, ja geradezu mental verstaatlicht ist. Offenbar können Journalisten kaum mehr damit umgehen, wenn ein Nicht-Insider sich erdreistet, die heiligen Kreise der Berufspolitiker aufzumischen.

Um meine vermutlich längst bekannte Meinung in dieser Sache offenzulegen: Ich bin für Trump. Wäre ich Amerikaner, gäbe es keinen Zweifel, kein Zögern, dass ich bei der Alternative Harris/Trump nicht die demokratische Kandidatin, sondern den Republikaner wählte. Ich stelle ab auf die erste Amtszeit, als Trump hervorragende Wirtschaftszahlen lieferte, die staatliche Regulierung schrumpfte, die illegale Migration drosselte und durch seinen robusten Kommunikationsstil, der allerdings meistens in Kompromisse, in einen «Deal» mündete, auch wesentlichen Anteil daran hatte, dass es keine Kriege gab wie heute. Natürlich hatte das auch mit der kalkulierbaren Unberechenbarkeit dieses Präsidenten zu tun, der aus einer Politik der Stärke heraus dann doch die Einigung, den Frieden suchte. Auch für die Schweiz war die Ära Trump eine gute Zeit wie eigentlich immer, wenn in Washington die Republikaner regieren.

Seine Gegner, von Anfang an schockiert, dass es dieser aus ihrer Sicht unmögliche Mensch überhaupt geschafft hatte, wichen von Anfang an, vermutlich aus Verzweiflung, einer sachlichen Auseinandersetzung aus. Weil es ihnen nicht gelang, Trump zu widerlegen, begannen sie, ihn zu verleumden, strafrechtlich zu verfolgen, juristisch aus dem Amt kegeln zu wollen, da sie es demokratisch nicht geschafft hatten, mit zum Teil irrwitzigen Vorwürfen und Unterstellungen, die nun im Wahlkampf vollends ins Fiebrig-Derangierte driften. Herausforderin Harris hatte einen lichten Moment nach dem ersten TV-Duell, doch ihr Stern sank rasch. Statt zu sagen, was sie will, bezichtigte sie Trump, das ist bequemer, er sei ein Faschist. Ihre linken Verbündeten und die Medienhäuser dröhnen diesen Befund zum scheppernden Crescendo hoch, das Kreischen eines intellektuellen Nervenzusammenbruchs.

Aber das ist alles andere als harmlos. Wer seinen Gegner als «Faschisten» diffamiert, gibt ihn zum Abschuss frei, stellt ihn in eine Reihe mit den grössten Verbrechern der Geschichte. Kein Wunder, können sich Verrückte aufgerufen fühlen, wie passiert, mit der automatischen Schusswaffe das daraus abzuleitende Urteil gleich selber zu vollstrecken. Die Intoleranz der linken Gutmenschen kennt keine Grenzen, und gerade weil sie sich mit der Moral im Bunde wähnen, lassen sie sich jede Schandtat durchgehen, denn sie dient ja angeblich einem höheren Zweck. Durch die Art jedoch, wie Trump seinen beiden Attentätern und den Feinden trotzt, hat er sich vielleicht nicht nur in den Augen seiner Anhänger die Aura eines fast mythischen Helden erworben, einer Kämpfernatur, eines John Wayne der Politik, der sich der Arroganz, der Anmassung und der masslosen Verachtung des linken politischen Establishments unbeugsam entgegenstellt.

Trumps wichtigster Satz während des Wahlkampfs war die von Bloomberg zitierte Bemerkung, er sehe Russland und China nicht als Feinde der Vereinigten Staaten, sondern als potenzielle Partner. Gelänge es ihm tatsächlich, wie er ankündigt, den Ukraine-Krieg noch vor Amtsantritt zu einem für alle Seiten vorerst befriedigenden Ende zu bringen, wäre dies ein nobelpreiswürdiges Verdienst und eine gute Nachricht. Weniger erfreulich wirkte sich aus, sollte Trump ernst machen mit seiner Drohung, den Welthandel mit einem Krieg um Zölle heimzusuchen. Sein Plan, die nach Asien abgewanderte Industrie in die Vereinigten Staaten zurückzuholen, ist eine tröstliche Botschaft für die weisse Wählerschaft im Mittleren Westen, aber als Konzept untauglich. Allerdings ist Trump, wenn man auf seine Taten und nicht auf seine Worte schaut, kein Ideologe, sondern ein Pragmatiker, ein Wirtschaftsmann eben, was unsere Medien ihren Lesern seit Jahren verschweigen.

Trumps wichtigster Satz war die Bemerkung, er sehe Russland und China nicht als Feinde.

Kühn ist die Behauptung, Trump sei so etwas wie ein amerikanischer Mussolini. Dass er eine Gefahr für die Demokratie darstelle, scheint für den professionellen Meinungsmainstream eine ausgemachte Sache. Gemach, gemach. Auch hinter solchen Einschätzungen steckt die hässliche Fratze der Arroganz, eine Geringschätzung, ja Verachtung, vor allem Verkennung der demokratischen Institutionen der USA und der amerikanischen Bevölkerung. Gerade die Europäer, die den Faschismus erfunden haben und nur dank den Amerikanern (und Russen) von ihm befreit wurden, sollten den Mund weniger voll nehmen. Einleuchtend scheint mir immer noch, was der grosse Historiker Victor Davis Hanson der Weltwoche über den vielleicht bald ins Weisse Haus zurückkehrenden Präsidenten sagte: Trump sei für die USA so etwas wie eine politische Chemotherapie. Es tue zwar weh, und nachher sehe man schlimm aus, aber am Ende gehe das Land gesünder und gestärkt daraus hervor. Hoffen wir, Davis hat recht, und möge die Trump-Therapie auch auf unser angekränkeltes Europa wirken.

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