«Schreiben Sie noch immer?» – «Ich schreibe zu meinem eigenen Entsetzen ununterbrochen.» Ilse Aichinger, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, ist inzwischen 84. Wegen einer Schilddrüsenerkrankung lebt sie seit einigen Monaten in einem Sanatorium in Wien im Rollstuhl.
Alles an ihr ist langsam: die Bewegung, mit der sie das Teeglas an den Mund führt (sie macht keine Anstalten, den Vorgang zu unterbrechen, als ich ihr die Hand reiche), das Wenden des Kopfes, wenn jemand vorbeigeht, das Heben des Blickes, das Suchen nach einem prägnanten Ausdruck. Manchmal wartet sie so lange mit einer Antwort, dass man nicht weiss, ob noch etwas kommt oder ob ihr die Frage z ...