Ich, der Fahrgast
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Ich, der Fahrgast

Auto

Ich, der Fahrgast

Die Welt präsentiert sich einem verzerrt, wenn man sie nur noch von der Rückbank einer Mercedes-S-Klasse aus wahrnimmt.

Es mag etwas verwegen klingen, aber ich bin schon lange überzeugt davon, dass es ein nicht zu unterschätzendes gesellschaftliches und politisches Problem ist, wenn Entscheidungsträger nicht mehr selbst Auto fahren müssen. Am Steuer zu sitzen und die Welt zu sehen, wie sie auf einen zufliegt, ist etwas ganz anderes, als wenn man sie nur noch aus dem höhlenartigen, bequemen Fond einer Mercedes-S-Klasse aus wahrnimmt.

© Mercedes-Benz AG
Mercedes-Benz S-Klasse, 2020, Studioaufnahme, Exterieur: Hightechsilber Interieur: Leder Nappa Sienabraun Mercedes-Benz S-Class, 2020, studio shot, exterior: hightech silver, interior: leather siena brown
© Mercedes-Benz AG

Am Steuer ist man gezwungenermassen aufmerksamer, man bekommt viel mehr mit, ist – freiwillig oder unfreiwillig – gezwungen, mit anderen Autofahrern zu interagieren. Und ja, vom Fahrersitz aus sieht die Welt nicht immer nett und freundlich aus. Sie wirkt im Gegenteil manchmal bedrohlich, es kann gefährlich werden, und man blickt immer wieder gezwungenermassen in menschliche Abgründe.

Nach vielen zehntausend Kilometern, die ich in den vergangenen mehr als zehn Jahren mit Testwagen aller Art zurückgelegt habe, bin ich in dieser Hinsicht reich an Erfahrungen. Aber manchmal braucht es einen Perspektivenwechsel, um das grosse Ganze zu sehen. Mit gebrochenem Bein darf man nicht Auto fahren, die letzten Wochen war ich deshalb ausschliesslich Fahrgast. Um die Uber- und Bolt-Abenteuer in einem Toyota Prius Plus oder einem Mazda 5 soll es aber nicht gehen.

Kürzlich war ich zu Besuch im «7132 Hotel» in Vals, wo man mir aufgrund meiner Fahruntüchtigkeit freundlicherweise anbot, mir für den Weg in die Berge einen Chauffeur zur Verfügung zu stellen. Der freundliche Mann im schwarzen Anzug kam im hoteleigenen Mercedes-Benz S 350 d 4Matic, natürlich als Langversion. Man sollte nie von sich auf andere schliessen, heisst es, aber sobald man im hellen Leder, gut geschützt hinter elektrischen Sonnenblenden, Platz nimmt, verändert sich die Wahrnehmung. In den gemütlichen, weichen Tiefen des Limousinenfonds überschätzt man möglicherweise schnell die eigene Bedeutung und sieht seine Umgebung gezwungenermassen nur noch ausschnittweise. Und während die S-Klasse dank dem hervorragenden elektrohydraulischen Fahrwerk mit der Bezeichnung «E-Active body control» einen sanft dem Ziel entgegenwiegt, bleibt genügend Zeit, um Nachrichten zu schreiben, eine Kolumne zu verfassen, auf dumme Ideen zu kommen oder Instagram-Posts durchzuscrollen. Sitzt man dagegen am Steuer, ist Pragmatismus Pflicht, von dieser Warte aus geht es um das Wesentliche.

Die S-Klasse ist längst eine Ikone unter den Chauffeurfahrzeugen, selbst wenn BMW mit dem neuen i7 auch in Sachen Fahrkomfort zum Mercedes-Flaggschiff aufgeschlossen oder es sogar überholt hat. Und auch wenn ich lange nicht mehr so luxuriös und entspannt mit dem Auto am Ziel angekommen bin, ziehe ich es vor, das Steuer selbst in der Hand zu haben. So hat man einfach den besseren Blick.

 

Mercedes-Benz S 350 d 4Matic lang

Motor/Antrieb: 6-Zylinder Diesel / Mild Hybrid, 9-Gang-Tronic, Allradsystem; Hubraum: 2989 ccm; Leistung: 230 kW + 17 kW (313 PS + 23 PS); max. Drehmoment: 650 Nm; Verbrauch (WLTP): 6,1 l / 100 km; Beschleunigung (0–100 km/h): 5,5 sec; Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h; Preis: ab Fr. 143 700.–

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