Herr Walser, glauben Sie an Gott?
Auf diese Frage muss ich mich jetzt vorbereiten. Denn sehen Sie: Glauben ist keine positive Position, es ist ein Prozess. Mal glaubt man, mal glaubt man nicht. Kierkegaard sagte einmal: «Die Grösse des Glaubens wird kenntlich an der Grösse des Unglaubens.» Sie zwingen mich dazu, mich selbst zu zitieren. Ich habe einmal geschrieben: «Wer sagt, dass es Gott nicht gibt, hat schon von ihm gesprochen.» Es gibt auch eine Existenz der Abwesenheit. «Gott ist tot», kann man nur sagen, wenn es ihn gegeben hat. «Gott ist tot», das ist, wie wenn einer im Meer über Bord springt, das Schiff verlässt und sagt: «Ich kann selber schwimmen.» Für einen persönl ...