Sie wirkt unauffällig. Schlank, dunkelblond, mittelgross, blass. Keine besonderen Kennzeichen, keine Ausstrahlung. Das schmale Gesicht kann verhuschte Züge annehmen; die grossen Hände können seltsam brutal aussehen. Aber das fiele kaum auf, wüsste man nicht um die Geschichte, die aus Michelle Martin, der ehemaligen Lehrerin mit der unauffälligen Erscheinung, eine unheimliche Gestalt macht. «Sie ist eine Hexe, sorcière, sorcière», riefen die Frauen im Gefängnis von Namur, als Michelle Martin im Herbst 1996 eingeliefert wurde.
Eine Hexe, die Kinder lockt, Kinder einsperrt, Kinder auffrisst. Da war es wieder, das uralte Grauen, das zivilisierte Menschen so sicher in Grimms Kinder- un ...