Michelangelo, Das Jüngste Gericht, 1537–1541 – Wenn es tatsächlich ein Jüngstes Gericht geben sollte, diese sagenumwobene Nacht ohne Morgen, das Harmagedon, dann gnade uns Gott. Wir stünden da als Menschheit, dichtgedrängt, mit hängenden Köpfen, schlechtem Gewissen und mit unendlicher Reue, und in der Mitte sässe Jesus, der Weltenrichter, schlechtgelaunt, weil auch er den schlimmsten seiner bisherigen Tage hat, einen Tag, an dem selbst er das Gute nicht mehr auszumachen in der Lage ist, einen Tag, an dem er sich fragt, was zur Hölle schiefgelaufen ist auf Erden und weshalb er so blind war, dem Treiben so lange zuzuschauen.
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