Wahr oder nicht – das spielte keine Rolle. Viel wichtiger war, was eine staatlich verbreitete Behauptung wirklich meinte. Allerdings stellte sich heraus, dass Lügengeschichten des Regimes zusehends «wahrer» wurden, wenn sie nur lange genug zirkulierten. Zu dieser Erkenntnis gelangte der russische Komponist Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) in der unmittelbaren Nachkriegszeit der Sowjetunion. Zumindest schreibt ihm der englische Schriftsteller Julian Barnes diese Beobachtung in seinem neuen Buch «Der Lärm der Zeit» zu.
Unterschwellige Opposition?
Barnes hat in einer vordergründig biografischen Hommage das Leben des avantgardistischen Komponisten zusammengefasst. Tatsächli ...