Strawinskys berühmt-berüchtigtes Wort über Vivaldi, dass dieser ein einziges Werk sechshundert Mal komponiert habe, lässt sich auf einen deutschen Zeitgenossen des fleissigen Venezianers übertragen: auf Georg Philipp Telemann. Der Barockmeister schrieb in seinem langen Leben (1681–1767) mehrere tausend Werke. Bloss ein Teil hat sich erhalten; selbst dieser Rest stellt die Produktivität fast aller andern Tonschöpfer in den Schatten.
Es ist genau diese splendide Schaffensfülle, die an Telemann zunächst bewundert und dann verdammt wurde. Zeitgenossen priesen ihn als «Vater der heiligen Tonkunst» und stellten ihn weit über den gleichaltrigen Johann Sebastian Bach. Ein Jahrhundert s ...