Frau Keskin, Sie haben es als Erste gewagt, öffentlich über Vergewaltigung und Folter in türkischen Gefängnissen zu sprechen. Wurden Sie selbst je vergewaltigt oder gefoltert?1995 musste ich für sechs Monate ins Gefängnis, weil ich in einer öffentlichen Ansprache das Wort «kurdisch» verwendet hatte. Während meines ersten Verhörs im Gefängnis haben mich die Beamten betatscht, an den Beinen berührt und mir versichert, dass dies nur der Anfang sein würde.
Kam es zu schlimmeren Übergriffen?Es gab Gefängniswärter, die drohten, mich nachts zu vergewaltigen. Aber ich war damals als Anwältin und Menschenrechtlerin schon zu bekannt, als dass sie es wagten, ihre Drohung wahr zu mache ...