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In Treue fest zum Benziner

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In Treue fest zum Benziner

Seit Jahren ist nun schon vom Ende des Verbrennungsmotors die Rede. Politiker, Klimaaktivisten, ja selbst die Automobilhersteller verkündeten den Siegeszug der Elektromobilität.

Förderprogramme schossen aus dem Boden, und in den Medien wirkt es so, als stünde die Schweiz schon an der Schwelle einer elektrischen Zukunft bei Fahrzeugen. Doch wer auf die jüngsten Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) zur Mobilität schaut, erkennt schnell: Der klassische Benziner gibt noch immer den Ton an, und der Elektro-Hype ist masslos übertrieben.

Werek/S¸ddeutsche Zeitung Photo
Entzauberte Euphorie: Stau auf der A99 im Sommer 1981 auf der Höhe von Putzbrunn.
Werek/S¸ddeutsche Zeitung Photo

 

Aufstieg von Elektro

So ging die Zahl der Privatfahrzeuge mit Benzinmotoren in den vergangenen rund 25 Jahren zwar um 15 Prozent auf noch 2,9 Millionen Autos zurück. Doch im gleichen Zeitraum legte die Zahl der Dieselfahrzeuge um hohe 760 Prozent auf rund 1,2 Millionen zu. Der Benziner bleibt die klare Nummer eins im Schweizer Fahrzeugpark. Gemeinsam mit dem Diesel machen Verbrenner nach wie vor 84 Prozent aller 4,8 Millionen Privatautos aus. Mit anderen Worten: Fast fünf von sechs Fahrzeugen fahren weiterhin mit herkömmlichen Motoren.

Natürlich lässt sich das Wachstum bei alternativen Antrieben nicht leugnen. Elektro- und Hybridfahrzeuge steigerten ihren Anteil am Gesamtbestand von praktisch null auf inzwischen 16 Prozent. Bei reinen Elektroautos ist die Wachstumsrate mit über 26.000 Prozent auf 203.000 Fahrzeuge sogar spektakulär.

Doch das ist ein statistischer Effekt – wer von einem winzigen Ausgangswert startet, sieht schon bei kleinen Zuwächsen astronomische Wachstumsraten. In absoluten Zahlen bleibt das Segment deutlich kleiner, als es die Schlagzeilen und Umweltaktivisten vermuten lassen. Normal-Hybrid-Fahrzeuge gab es 2024 nur 360.000 beziehungsweise 7,5 Prozent und Plug-in-Hybrid-Privatautos kamen bloss auf rund 101.000 beziehungsweise 2,1 Prozent des Gesamtbestandes.

Genau hierbei zeigt sich die Diskrepanz: Während die öffentliche Debatte so tut, als sei der Verbrenner schon Geschichte, entscheiden sich Schweizerinnen und Schweizer weiterhin mehrheitlich für das Bewährte. Laut dem Verband Auto Schweiz lagen die Neuzulassungen von Teslas zuletzt beispielsweise bei nicht einmal bei 9000 Fahrzeugen pro Jahr.

Gründe dafür gibt es genug: Elektroautos sind teurer in der Anschaffung, ihre Reichweite bleibt eingeschränkt, und die Ladeinfrastruktur wächst zwar, hinkt aber den Erwartungen hinterher. Wer täglich pendelt oder am Wochenende von der Deutschschweiz ins Tessin fährt, verlässt sich lieber auf den klassischen Motor als auf die nächste Steckdose.

 

Mobilität als Kulturfrage

Hinzu kommt wohl auch noch ein kultureller Aspekt. Das Auto ist in der Schweiz mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Es steht für Freiheit, Verlässlichkeit, manchmal auch für Leidenschaft. Der Bestand an Privatfahrzeugen legte im vergangenen Vierteljahrhundert immerhin um 35 Prozent zu. Seit 1980 verdoppelte sich der private Fuhrpark sogar, hiess es vom BFS.

Benziner und Diesel sind also tief im Schweizer Alltag verankert, während Elektromobilität noch immer als exotische Alternative gilt. Der Blick auf die nackten Zahlen des BFS entzaubert die Euphorie: Von einer Revolution kann keine Rede sein. Die Schweiz bleibt vorerst ein Land der Verbrenner, auch wenn Elektro- und Hybridmodelle etwas aufholen. Der vielbeschworene Elektro-Hype existiert vor allem in Parolen und Programmen, aber nicht auf Schweizer Strassen.

 

Rico Kutscher ist Chefredaktor des Wirtschaftsnews-Portals Muula.ch.

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