Imre Kertész war schon vor dem Nobelpreis der freundlichste Mensch, den man sich vorstellen kann. Darüber staunt wohl jeder, der ihm das erste Mal begegnet. 1999 führte mich Kertész in seiner Budapester Wohnung herum, servierte charmant Kaffee und nahm sich Zeit für ein ausgiebiges Gespräch. Wie kann einer, fragte ich mich, der in Auschwitz und Buchenwald war, der den Stalinismus ungarischer Prägung und den Übergang «vom totalen Krieg zum totalen Frieden» durchzustehen hatte, der als Autor lange unbeachtet blieb und sein Schreiben als fortgesetzten Aufschub des Selbstmords bezeichnete, noch so freundlich sein?
Bereits im «Roman eines Schicksallosen», an dem Kert&eacu ...