«Ein vielleicht rätselloser Tag» – heisst es kryptisch in Ingeborg Bachmanns «Malina» –, «ein leerer oder ausgeraubter Tag, an dem ich älter geworden bin, an dem ich mich nicht gewehrt habe und etwas geschehen liess.» An besagtem 3. Juli 1958 hält sich Max Frisch, 47-jährig, namhafter Schweizer Schriftsteller, in Paris auf. Vor nicht allzu langer Zeit hatte er, vom Hörspiel einer ihm bislang unbekannten österreichischen Dichterin stark beeindruckt, einen löblichen Brief geschrieben: «[...] wie gut es sei, wie wichtig, dass die andere Seite, die Frau sich ausdrückt [...]. Wir brauchen die Darstellung des Mannes durch die Frau, die Selbstdarstellung der Frau.» Die Adressati ...