Es gibt Musik, die flunkert und nichts taugt, und welche, die scheint nichts und ist alles: so gegenwärtig, dass sie nichts bedeutet als sich selbst. Das ist eine Banalität, die immer dort hergebetet wird, wo die Kunst absolut gesetzt und, paradox genug, als Religionsersatz gebraucht wird. Hier meine ich’s schlichter. Arild Andersen, unter den vielen exzellenten skandinavischen Bassisten einer der grössten, schrieb 2005 ein Auftragswerk zum 100-Jahr-Jubiläum der Auflösung von Norwegens Union mit Schweden. Es heisst «Independency» und wäre ja nun wirklich Anlass zu patriotischer Programmmusik. Doch die fast dreiviertelstündige Suite ist nichts weniger als «Programm», nämlich ein ...