Vorverurteilungen begleitet man – Wunder medialer Dialektik – am besten mit der Warnung vor Vorverurteilung. Wie das geht, führte kürzlich Stern-Chefredaktor Thomas Osterkorn vor, als er über Michel Friedman schrieb: «Nun steht der Moralist selber am Pranger. Falls sich der Drogenverdacht erhärtet, ist Friedman als Vize im Zentralrat der Juden wohl unhaltbar. Als TV-Inquisitor dürfte er es künftig sehr schwer haben.» Doch dann, unverhofft: «Noch aber gilt: Bisher ist Michel Friedman nicht überführt oder gar verurteilt. Er steht unter Verdacht. Nicht mehr und nicht weniger.»
Der Verdacht ist für Über-Staatsanwalt Osterkorn offenbar bereits eine mindere Form von Schuldbeweis ...