Sommer 1955. Ich war sechzehn, gewissermassen erwachsen, und verbrachte die Ferien erstmals nicht mit der Familie oder im Pfadfinderlager, sondern allein in Genf. Ich übernachtete beim Götti, schlenderte tags einsam durch die Stadt, die so anders und aufregender war als mein gemütliches Bern. Der weite See, der wie ein Münster in die Höhe spritzende Jet d’eau, der Palais des Nations. Ich stand am Strassenrand, als die Grossen dieser Welt in offenen Wagen zur Gipfelkonferenz fuhren, die Deutschland vereinigen sollte: Präsident Eisenhower, Premier Eden, Ministerpräsident Faure und das sowjetische Zweigespann Bulganin–Chruschtschow. Ich kaufte ein ...